Beiträge von Kaktus

Nazis & Volkstrauertag in Wurzen

11. November 2010 | Autor: Netzwerk Naunhof

Wie auch in den letzten beiden Jahren haben sich die Nazis in diesem Jahr zum Volkstrauertag in Wurzen angemeldet.
Rückblick: 2009

Im letzten Jahr zelebrierten rund 200 Nazis den Volkstrauertag in Wurzen. Verschiedene zivilgesellschaftliche Akteur_innen hatte diesem lediglich eine symbolische Gegenveranstaltung entgegenzusetzen. Diese wurde zeitlich auch noch vor der Veranstaltung der Nazis durchgeführt und konnte somit nicht einmal den Anspruch erheben das Rumgeopfere von Seiten der Nazis zu unterbinden. Dies war scheinbar auch nicht das Ziel. Vielmehr wurde ein eigener Volkstrauertag begangen und sich nur äußerst unzureichend mit dem ganzen Sinn und Zweck eines solchen Tages auseinandergesetzt. Während dieser Veranstaltung wurden Kränze am Kriegerdenkmal niedergelegt. Einer dieser Kränze kam von der NPD. Dieser wurde in wahrlich heldenhaftem Widerstand der Rücken zugekehrt.

Neben den lokalen Nazis aus Wurzen reisten viele mit dem Zug an. Zu diesem Zeitpunkt war von der Zivilbevölkerung nicht mehr viel zu sehen. Die Nazis wurden durch ein starkes Polizeiaufgebot geschützt und konnten ihre Veranstaltung ohne jegliche Gegenwehr oder Protest durchführen. Es wurden Kerzen aufgestellt und Redebeiträge verlesen. Durch die ausschließliche Beschränkung auf den Park war die Außenwirkung der Nazis allerdings sehr beschränkt.
Besserung in Sicht?: 2010

In diesem Jahr sollte nun alles besser werden. Die Zivilgesellschaft tat den ersten Schritt und meldete schon im Voraus ein Volksfest im Park an. Wenige Wochen vor dem Volkstrauertag waren die Akteur_innen des Volksfestes aber auf einmal ganz aufgeregt. Die Nazis hatten sich angekündigt. Dies war natürlich nach einem für die Nazis erfolgreichen Auftreten in den letzten zwei Jahren, soll heißen ohne Gegenwehr, selbstverständlich nicht zu erwarten. Die Nazis meldeten einen Fackelmarsch durch Wurzen an. Anmelder sind Tommy Naumann (Leipzig, Chef JN Sachsen) und Mathias König (Wurzen, JN Stützpunktleiter Wurzen). Wie reagierten nun Stadt und Zivilgesellschaft? Bürgermeister Röglin (parteilos) ruft auf der einen Seite zu Zivilcourage auf. Auf der anderen Seite will er die Nazidemo rechtlich verbieten: „Auf jeden Fall werden wir als Stadt gegenüber der Genehmigungsbehörde im Landratsamt deutlich machen, dass wir diese Leute hier überhaupt nicht wollen. Am liebsten wäre mir, wir könnten diesen Aufmarsch per Gesetz verbieten” (s. NDK Wurzen). Das ein solches Verbot das gesellschaftliche Problem natürlich nicht löst wird verschwiegen.

Ein weiterer völlig überraschender Punkt ist, dass die zivilgesellschaftlichen Akteur_innen sich im Kooperationsgespräch mit den Nazis und der Stadt einigen konnten. Es wurde beschlossen die Route der Nazis zu verkürzen und das Zeitfenster von 13 bis 16 Uhr zu begrenzen. Die „Gegenveranstaltung“ soll nun nicht mehr im Park stattfinden, sondern vor dem D5. Als ob dies nicht schon genug wäre soll diese nicht einmal zeitgleich stattfinden, sondern von 17 bis 19 Uhr. Diese Veranstaltung kann demnach weder räumlich noch zeitlich als wirkliche Gegenveranstaltung zur Nazidemo gewertet werden.

Ein solches Verhalten ist aus unserer Sicht völlig unzureichend.
Alles muss mensch selber machen: 2011

Uns bleibt nur zu sagen: Es ist notwendig viel offensiver, direkter und auch inhaltlich kritischer gegen solche Veranstaltungen und Strukturen vorzugehen. Uns stellt sich nun notwendigerweise die Frage, was in Wurzen zu tun ist. Eine einseitige Unterstützung und Fokussierung auf die zivilgesellschaftlichen (symbolischen) Gegenveranstaltungen und Proteste kann und darf nicht das Ziel sein. Nazis muss auf allen Ebenen und mit allen Mitteln entgegengetreten werden. Bei uns entwickelt sich deshalb die Idee den Volkstrauertag in Wurzen selbst zu besetzen und mit eigenen antifaschistischen Inhalten zu füllen. Dies benötigt natürlich Planung und wird erst 2011 möglich sein. Infos dazu gibt es rechtzeitig auf unserer Homepage.